Mittwochs immer“ als Olympiade des kleinen Mannes

Ein etwas anderer Jahresrückblick - von Matthias Möller

»Die Olympiade des kleinen Mannes«, so einprägsam beschrieb der Sportjournalist Carl Diem vor fast 110 Jahren die Idee eines Abzeichen für sportliche Leistungen, das als Deutsches Sportabzeichen seit dem 10. November 1912 für vielfältige Leistungen auf dem Gebiet der Leibesübungen verliehen wird. Vorbild war das Schwedische Sportabzeichen (Idrottsmärke), das der Begründer des deutschen Sportabzeichens 1912 während der Olympischen Spielen in Stockholm kennengelernt hatte.

Diese Vielfalt an Leistungen beseelt auch Horst-Jürgen Becker, den seit 34 Jahren verantwortlichen Trainer der Sportabzeichen-Gruppe »mittwochs immer« der Turngemeinde 1846 Worms und bestimmt sein wöchentliches Programmangebot an die 30 Teilnehmer. »Unser Wochenprogramm hat sich noch niemals wiederholt« wirbt er für seine kreative Vielfalt in der Auswahl der Übungen in den 51 Trainingsstunden jedes Jahres.

Die sich selbst als »Schildkröten« bezeichnenden Mitglieder der Sportabzeichen-Gruppe trafen sich wie jedes Jahr auch 2019 im Dezember zu ihrem Jahresabschluss. Dabei galt es Bilanz zu ziehen und Ehrungen vorzunehmen. Das Altersspektrum der 30 Teilnehmer reichte 2019 von 20 bis zu 79 Lenzen. Ein Musterbeispiel an Beständigkeit bot dabei Anette Haaß mit einer Präsenz in 49 von 51 der jährlich möglichen Übungseinheiten und sie wurde dafür mit dem Wanderpokal der Schildkröten geehrt.

Verleihung des Wanderpokals (v.l. Horst-J. Becker, Anette Haaß, Inge Höchel, Rolf Niemz)

Leistungsabnahmen fanden 2019 in 13 Disziplinen statt und umfassten so vielfältige Anforderungen wie 10 km Lauf, 7,5 km Nordic Walking, Schwimmen, Kugelstoßen, Standweitsprung, Schleuderballweitwurf und Seilspringen. Die höchsten Punktzahlen aus allen Disziplinen erreichten Katja Ohnesorg und Elvira Fechner bei den Damen sowie Bernd Weinheimer und Josef Zeman bei den Herren, die dafür als „Sportler des Jahres“ ausgezeichnet wurden.

Höhepunkt des Treffens der Schildkröten war auch im Jahr 2019 die Verleihung des Sportabzeichens. Die für dessen Erwerb zu erbringenden Leistungen sind nach Altersstufen, Geschlecht und Leistungsklassen gestaffelt und umfassen Disziplinen aus der Leichtathletik, dem Turnen, dem Schwimmsport und dem Radfahren. Gegliedert sind die Disziplinen in die vier sportmotorische Grundfähigkeiten Ausdauer, Kraft, Schnelligkeit und Koordination ergänzt um die Schwimmfähigkeit. Je nach erbrachter Leistung wird das Deutsche Sportabzeichen in Bronze, Silber oder Gold verliehen. Sofern das Abzeichen mindestens fünfmal erworben wurde, steht die Anzahl an Wiederholungen in Fünferschritten in dem verliehenen Abzeichen.

Auch Menschen mit einer körperlichen oder geistigen Behinderung können das Deutsche Sportabzeichen ablegen. Die Gruppen sind dabei nach Alter und Behinderung eingeteilt und die Disziplinen sind den Einschränkungen durch die jeweilige Behinderung angepasst.

In der Sportabzeichengruppe der TSG erhalten die Teilnehmer das seit 1958 staatlich anerkannte Ehrenzeichen »nicht mal eben so« durch die Erfüllung der Anforderungen in den vier Fähigkeitsgruppen, sondern es ist eine Ehrung für eine erfolgreiche Leistungsbilanz und Teilnahme an der Mittwochsgruppe über ein ganzes Kalenderjahr. Im Jahr 2019 konnte der Trainer Horst-Jürgen Becker 23 Deutsche Sportabzeichen verleihen. Bescheiden erwähnte er , dass er selbst mit bewundernswerten 47 Wiederholungen des Sportartzeichens an der Spitze steht.

Im Jahr 2019 haben folgende Mitglieder der Sportabzeichengruppe das Deutsche Sportabzeichen erworben

In Gold In Silber In Bronze
Becker, Horst-J. (47)  Fink, Werner (19) Möller, Matthias (1)
Haaß, Anette (20) Horn, Inge (16) Schreiber, Gerhard (6)
Dauer, Marion (11) Horn, Achim (14)  
Ohnesorg, Katja (6) Riebel, Reinhard (13)  
Schreiber, Beate (6) Höchel Inge (6)  
Fechner, Elvira (5) Niemz, Rolf (5)  
Weinheimer, Bernd (5) Zutavern, Günter (4)  
Nowak, Andreas (3) Ohnesorg, Sina (3)  
Zeman, Josef (2) Fechner, Sarah (3)  
Emler, Francisko (1) Ritzau, Carina (1)  
Jelicic, Ljuban (1)    
(In Klammern die Zahl der insgesamt erfolgreichen Abnahmen)

 

Im Mittelpunkt der Trainingseinheiten stehen aber nicht nur numerischen sportliche Leistungen, sondern das Gemeinschaftsgefühl und die Freude der Schildkröten, ihre körperlichen Grenzen getragen von dem empathischen Spirit oder Geist der Gruppe zu überwinden und in der Gruppe gemeinsam Sport zu treiben. Als Konsequenz verwundert es nicht, dass die seit 1972 bestehende Sportgruppe heuer ihren 47. Geburtstag feiern durfte. Von diesem Spirit wird auch die erfolgreiche Inklusion von Mitarbeitern der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Worms-Alzey e.V. in der Sportgruppe getragen. Bestes Beispiel dafür ist das Gefühl von Andreas Nowak, ganz selbstverständlich zusammen mit den anderen Teilnehmern Sport zu treiben und auch an den Treffen danach teilzunehmen – eine besondere Motivationsleistung des Trainers und eine soziale Kompetenz der Mitglieder der Sportgruppe. Da bleibt nur nachzutragen, dass seine Leistungen mit dem goldenen Sportabzeichen geehrt wurden.

 

Trainer Horst-J. Becker ehrt Andreas Nowak und Rolf Niemz

 

In einer Sportgruppe mit vielfach verteilten Rollen galt es auch am Ende des Jahres 2019, den vielfältigen Dank für besondere Leistungen auszusprechen. Herausragend gewürdigt wurden dabei die Kreativität und Motivationsfähigkeit von Horst-Jürgen Becker als Trainer, dessen wahren Wert für den Zusammenhalt die Gruppe wohl erst dann ermessen wird, wenn er zukünftig einmal kürzer treten muss. Gewürdigt wurden auch die Verdienste von Anette Haaß und Katja Ohnesorg als stellvertretende Übungsleiterinnen, von Klaus Winkler als Zeugwart und von Inge Horn als Pressesprecherin. Anette Haaß wurde in Würdigung ihrer Verdienste zur Geschäftsführerin der Sportabzeichen-Gruppe ernannt.

Der Spirit der Sportgruppe wurde bei der anschließenden Weihnachtsfeier in der Brauereigaststätte am Rhein - eingeleitet mit einem von den Geburtstagskinder Gabi und Joachim spendierten Sektempfang - durch Weihnachtslieder, Gedichte aus den Federn von James Krüss, Elli Michler (Zeit zum Reden! Zeit zum Zuhören! Zeit zum Lachen! Zeit zusammen!) und Heinz Erhardt sowie einer Tour d´Hoizon über Weihnachtsbräuche in anderen Ländern der Welt gepflegt.

 

Weihnachtslieder begleitet durch die Mundharmonika von Horst-J. Becker

Zum Abschluss des gelungen Abends sangen die Schildkröten ihr selbstgedichtetes Lied »mittwochs immer«, dessen Titel der Wahlspruch auch im Jahr 2020 jeden Übungsabend beenden wird.